Junge Frau hält einen Tampon und eine Packung „100 % Bio-Baumwolle Tampons“ in die Kamera. Im Hintergrund steht dezent „Glyphosat? Nein danke.“ – passend zum Thema Pestizide in Tampons und Frauengesundheit.
Gesundheit

Pestizide in Tampons – das betrifft Frauengesundheit

22. Juni 20264 Min. Lesezeit
Zurück zum Blog

Tampons gehören zu den alltäglichsten Hygieneprodukten überhaupt. Sie werden über Stunden direkt im Körper getragen, regelmäßig benutzt und kommen mit einer besonders aufnahmefähigen Schleimhaut in Kontakt.

Umso erstaunlicher finde ich, wie wenig wir eigentlich darüber wissen, welche Rückstände sich in solchen Produkten befinden.

Eine Untersuchung von Pesticide Action Network UK (PAN UK), dem Women’s Environmental Network und der Pesticide Collaboration hat 15 Packungen Tampons aus britischen Geschäften auf Pestizidrückstände untersucht. In einer der Packungen wurde Glyphosat in einer Konzentration von 0,004 mg/kg gefunden. Das entspricht dem Vierzigfachen des Grenzwerts, der in Großbritannien und der EU für Glyphosat im Trinkwasser gilt. (The Guardian)

Genau an dieser Stelle sollte man meiner Meinung nach genauer hinschauen.

Denn ein Tampon ist kein T-Shirt und kein Baumwolltuch, das wir nur in der Hand halten. Er wird über mehrere Stunden in direkten Kontakt mit einer empfindlichen Schleimhaut gebracht.

Wie kommt Glyphosat überhaupt in einen Tampon?

Die wahrscheinlichste Quelle ist die Baumwolle.

Baumwolle gehört weltweit zu den landwirtschaftlichen Kulturen, bei denen intensiv Pflanzenschutzmittel eingesetzt werden. Pestizidrückstände können deshalb bereits mit dem Rohmaterial in die weitere Verarbeitung gelangen. Die Autoren der Untersuchung sehen darin eine plausible Erklärung für den Glyphosatfund. (The Independent)

Zusätzlich wurde AMPA nachgewiesen, ein wichtiges Abbauprodukt von Glyphosat. (The Guardian)

Für mich stellt sich deshalb eine ziemlich einfache Frage:

Warum müssen in einem Produkt, das direkt in den Körper eingeführt wird, überhaupt nachweisbare Pestizidrückstände vorkommen?

Man kann darüber diskutieren, welche Dosis bereits gesundheitlich relevant ist. Man kann Expositionsmodelle rechnen und Grenzwerte vergleichen.

Aber bei einem Produkt für den Intimbereich wäre mein Anspruch ein anderer:

so wenig vermeidbare Schadstoffe wie technisch irgend möglich.

„40-mal über dem Grenzwert“ – was bedeutet das wirklich?

Hier muss man fairerweise genau bleiben.

Der Trinkwassergrenzwert lässt sich nicht direkt eins zu eins auf Tampons übertragen.

Das ändert für mich aber nichts an der grundsätzlichen Frage.

Denn ausgerechnet für Menstruationsprodukte existieren bislang nur sehr begrenzte spezifische Vorgaben für solche chemischen Rückstände. Die britische Regierung bestätigte 2025, dass sie die Evidenz zur Sicherheit von Menstruationsprodukten überprüft und weitere Forschung und Tests erwägt. (UK Parliament)

Mit anderen Worten:

Wir benutzen diese Produkte seit Jahrzehnten millionenfach – und beginnen erst jetzt genauer zu untersuchen, was eigentlich alles darin steckt?

Und Glyphosat ist nicht der erste auffällige Fund

Besonders interessant wird die Sache, wenn man eine weitere Untersuchung aus dem Jahr 2024 hinzunimmt.

Forscher der University of California Berkeley, Columbia University und weiterer Einrichtungen untersuchten 30 Tampons aus 14 Marken und 18 Produktlinien auf insgesamt 16 Metalle und Halbmetalle.

Das Ergebnis:

In mindestens einer Probe wurden alle 16 untersuchten Elemente nachgewiesen – darunter Blei, Cadmium und Arsen. Die durchschnittlichen gemessenen Konzentrationen lagen unter anderem bei 120 ng/g Blei, 6,74 ng/g Cadmium und 2,56 ng/g Arsen. (PubMed Central (PMC))

Besonders bemerkenswert:

Keine untersuchte Produktgruppe war durchgehend frei von problematischen Metallen.

Bei nicht biologischen Tampons waren beispielsweise die Bleikonzentrationen höher, während Bio-Tampons höhere Arsenwerte aufwiesen. Die Autoren betonten allerdings ausdrücklich, dass noch untersucht werden muss, wie stark diese Stoffe tatsächlich aus dem Material herausgelöst und über die Vaginalschleimhaut aufgenommen werden. (ScienceDirect)

Genau das ist der Punkt.

Wir wissen inzwischen, dass solche Stoffe vorhanden sein können.

Was wir noch nicht ausreichend wissen, ist, wie viel davon unter realen Bedingungen tatsächlich in den Körper gelangt.

Warum untersucht man so etwas erst jetzt?

Das ist für mich eigentlich die spannendste Frage.

Tampons sind kein Nischenprodukt.

Millionen Frauen verwenden sie über Jahrzehnte, Monat für Monat. Trotzdem war die Studie von 2024 nach Angaben der Autoren die erste Untersuchung überhaupt, die systematisch Metallgehalte in Tampons analysierte. (PubMed Central (PMC))

Das finde ich erstaunlich.

Wir diskutieren permanent über Grenzwerte in Lebensmitteln, Trinkwasser oder Kosmetika.

Aber bei einem Produkt, das stundenlang direkt mit Schleimhäuten in Kontakt kommt, sind entscheidende Fragen offenbar erst sehr spät wissenschaftlich untersucht worden.

Für mich zeigt das ein grundsätzliches Problem unserer modernen Konsumwelt:

Ein Produkt gilt oft so lange als sicher, bis jemand überhaupt anfängt, genauer hinzuschauen.

Und wenn dann etwas gefunden wird, heißt es schnell:

Die Menge sei klein.

Die Datenlage sei noch nicht ausreichend.

Die gesundheitliche Bedeutung sei nicht bewiesen.

Das kann wissenschaftlich alles korrekt sein.

Aber vielleicht sollten wir einmal die Perspektive umdrehen.

Warum muss erst bewiesen werden, dass jahrzehntelange wiederholte Exposition gegenüber vermeidbaren Pestiziden oder Schwermetallen problematisch ist?

Warum lautet der Ausgangspunkt nicht:

Ein Produkt, das wir direkt in den Körper einführen, sollte möglichst frei von solchen Stoffen sein. Und die möglichen gesundheitlichen Folgen sind bislang kaum abzuschätzen: Entzündungen im Intimbereich oder am Gebärmutterhals, Veränderungen des PAP-Wertes, Störungen der Fruchtbarkeit oder langfristig sogar ein erhöhtes Krebsrisiko – wer weiß das heute schon mit Sicherheit?

Von einem Stoff zum nächsten

Das eigentliche Problem ist außerdem selten ein einzelner Stoff.

Menschen kommen täglich mit Pestiziden, Weichmachern, PFAS, Schwermetallen und vielen anderen Umweltchemikalien in Kontakt.

Jedes Produkt wird häufig isoliert bewertet.

Ein bisschen dort.

Eine geringe Menge hier.

Noch unter einem Grenzwert.

Doch der menschliche Körper lebt nicht in einzelnen Zulassungsverfahren.

Er bekommt die Summe dieser Belastungen.

Und genau deshalb halte ich die Diskussion um Tampons für wichtiger, als sie auf den ersten Blick erscheint.

Es geht nicht darum, Panik zu verbreiten.

Es geht darum zu fragen, warum bei einem so intimen und häufig verwendeten Produkt nicht längst wesentlich strengere Anforderungen an Rohstoffe, Rückstände und Transparenz gelten.

Mein Fazit

15 Packungen sind keine riesige Studie.

Ein positiver Glyphosatfund bedeutet nicht, dass alle Tampons belastet sind.

Und die Trinkwassergrenze lässt sich nicht einfach als medizinischer Tampon-Grenzwert verwenden.

Aber zusammen mit den bereits nachgewiesenen Schwermetallen ergibt sich für mich ein Bild, das man nicht einfach wegwischen kann.

Glyphosat, Blei, Cadmium und Arsen haben in Menstruationsprodukten nichts verloren, wenn ihre Anwesenheit vermeidbar ist.

Statt immer erst nachzuweisen, wie viel Belastung der Körper möglicherweise noch toleriert, wäre mir ein anderer Ansatz lieber:

saubere Rohstoffe, unabhängige Kontrollen, Veröffentlichung der Ergebnisse und möglichst niedrige Rückstandswerte.

Gerade bei einem Produkt, das Frauen jahrzehntelang regelmäßig direkt im Körper verwenden, sollte das eigentlich selbstverständlich sein.

Und dass wir darüber im Jahr 2026 überhaupt noch diskutieren müssen, sagt vielleicht mehr über unsere Vorstellung von „Produktsicherheit“ aus, als uns lieb sein kann.

Darum, ihr lieben Frauen: Kauft für euren Intimbereich möglichst Bioprodukte. Damit habt ihr zumindest etwas mehr Sicherheit, dass euch nicht irgendwelche problematischen Stoffe untergeschoben werden, die eure Gesundheit belasten können.